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Samstag, 1. November 2014

Abenteuer, wo bist du?!

Ist ja nicht so das ich Abends in Bett gehe und mir ausdenke wie könnte ich Morgen meinen Tag am spannendsten gestallten. Auf jeden Fall ist das ein gutes Training Krisensituationen zu bewältigen. Trotzdem wünsche ich mir für die Marokkoreise etwas ruhigere Wochen, denn die ADAC Mitgliedschaft greift dort nicht, Internet hab ich nicht, Telefonieren kostet 4€ die Minute und so wirklich Afrikanisch kann ich auch noch nicht. Werd ich auch nie können. Abends am Hafen angekommen wurde ich direkt von ca. Tausend Ticketverkäufer mit offenen Armen empfangen. Das Marktverhalten mit Angebot und Nachfrage lerne ich eh grad in meinem Studium, also wendete ich mein Wissen an und entschied mich für den billigsten Anbieter. Ich mein die Schiffe werden wohl alle die selben sein. Africantour. Hört sich sehr seriös an. In einem sehr unterhaltsamen Gespräch und mit einem sehr liebevoll gestalteten Preiszettel überzeugte mich der gute Mann, das es wohl am günstigesten ist das Angebot mit 2 Leuten und einem Caravan zu buchen, um im Nachhinein dann eine Person wieder zu löschen.
Für 180 € machte ich mich dann bereit, in 8 Stunden einen anderen Kontinent zu bereisen. Ein wenig artet die Europatour dann doch aus, kamen mir die Gedanken hoch. Ich mein, Afrika, mit einem Caravan. Schnell wieder vergessen, legte ich mich hin um noch ein paar Stunden Schlaf zu sammeln... Denkste! Ein paar penner meinten dann doch das meine Fähre um 5 oder um 6 oder um 7 geht. "Bum Bum Bum" Dein Schiiiiiiffffffff. NEIN, mein Schiff geht erst in 3 Stunden und jetzt lass mich pennen. 

"BUMM BUMM  BUMM" Dein Schiff?!. NAAAIIIINNNNN, gib ruhe oder du klopfst nie wieder an diese Türe. Ok, das hatte ihn  dann überzeugt nicht mehr zu klopfen. "Bum Bum Bum" , diesmal war es dann aber ein Tennisspieler der auch nach Casablanca unterwegs war. Perfekt, simma schon zwei. Wohnwagen im Schiffchen geparkt und aufs Deck gelaufen. Alles easy soweit. Bisschen Herzklopfen hatte ich schon als ich die Afrikanische Küste sehe. Bitte Bitte Bitte, Wohnwagen halte noch 1000 km. Einmal hin und zurück. Knarrrrrr der Lautsprecher sagte an, das alle Leute jetzt den Pass stempeln müssen. Also in die lange Schlange eingereiht. Ein Polizist der einfach jedem seinen Pass abstempelte. Wie leicht kann man eigentlich nach Afrika reisen. Fast schon verdächtig einfach. Rückwärts ausparken auf einem Schiff neben LKW's die rausfahren, war dann wieder der Spannendste Teil der Schiffsreise.
Meiner Lkwfahrerkarriere steht somit nichts mehr im Weg. Draussen nochmal ein Polizist der eine Nummer in meinen Pass stempelte und dann ging's raus aus dem Hafen. Der Weg bis nach Casablancas sollte ab hier das kleinste Problem sein, denn wenige Meter später sah ich eine Zollstelle. O.o. Ich nehme es jetzt mit Humor, aber was ich Blut und Wasser geschwitzt habe, werd ich nie vergessen.
Erst mal, das der Zollbeamter sich nicht entscheiden konnte wo ich parken soll, trotzdem war ich daran Schuld. Na gut, fahr ich halt ein paar mal hin und her bis auch wirklich alle zufrieden sind, denn hier merkte ich schon, besser nicht mit den Beamten verscherzen. Nach 20 minuten brav im im Auto, kam noch immer keiner zu mir, frage ich den Franzosen neben mir was zu tun ist. Der verstand natürlich kein Wort zeigte nur in Richtung Menschentraube. Anscheinend gibt es hier was umsonst. Ja, 10 Zettel die man ausfüllen muss. Alles brav eingetragen stellte ich mich in die Reihe um meinen Papierkram abzugeben. "Are you Claudia Ingrid Mann?" Puh, wirklich bejahen konnte ich die Frage dann nicht, aber mir ahnte böses. Kopfschütteln war genug das der Polizist einfach anfing mich anzuschreien. "Autorisation. Autorisation." Ja, Marokkanisch versteh ich nicht, also rief er einen Kollegen. Der redetet Englisch mit einem Akzent, da war Hopfen und Malz verloren. Immer wieder fiel das Autorisation. "You not owner, You no Marrokoo" war dann wieder ziemlich deutlich. So einfach es sich lesen lässt, so Horror war diese Einreise. Puls auf 180, soll ich jetzt Mum anrufen, damit sie ein mündliches Einverständnis geben kann? Warum bin ich eigentlich nach Afrika. Sollte ich einfach das nächste Boot zurück nehmen? Muss ich das sogar? Dann wurde ich von Polizist zu Polizist gereicht, und immer wieder redeten diese Typen, dass kein Mensch etwas versteht. Tennis Tournament, Competition. DAS, verstanden die dann wieder. Also wurde ich zu jemanden gebracht der Anscheinend etwas mehr zu sagen hatte, immer hin hatte er eine weisse Jacke an. Alle Papiere auf den Tisch gelegt, kann dann die Frage " Copy?, Is this a Copy" Oh the Hell, Ja klar war das ne Kopie, daran hab ich garnicht gedacht. Oh mein Gott, wie kann ich nur so dumm sein, stimmt, die Orginalpapiere liegen ja wegen der Finanzierung bei der Bank. JUNGE JUNGE JUNGE, wie konnte ich das vergessen. Die Frage immernoch nicht beantwortet, stand ich da, Schockzustand, was zum Teufel ist eigentlich los. Wieso ist mir das nicht eingefallen. In Gedanken vertieft, wie ich jetzt am besten nach Hause komme, rissen mich die Worte von dem Polizisten wieder in die Gegenwart. Copy? Sollte ich Lügen? Ich mein die anderen haben das auch nicht gesehen, sieht ja fast Orginal aus, aber nur fast. Auf spass gepolt sahen die guten Kollegen dann nicht aus, dass ich mir einen Witz erlauben kann, also nuschelte ich YES und bekam sofort ein No No No. So langsam entwickelte sich das hier zu einem Alptraum. Also raus auf die Bank setzen und auf bessere Zeiten warten. Ich mein nicht Eingereist bin ich ja eh nicht. Was kann also nich schlimmer werden. Komplett fertig und mit leicht wackligen Knien wurde ich dann durch einen langen Gang in ein Hinterzimmer geführt. Hier saß der Boss. Riesengroßer Schreibtisch, goldene Uhr und fetter Bauch. Das erste was mit einfiel war, sollte ich versuchen diesen Menschen zu bestechen? Mit einem blick in meine Geldbörse war mir dann klar, dass diese Person vielleicht dann doch mehr als nur ein paar Pommes gesponsert haben will. Immer wieder versuchte ich mit Tennis Tennis Tennis, den Marokkanern klar zu machen, das ich ein unschuldiger kleiner Tennisspieler bin der nur Lust hat, einer gelben Filzkugel bei 30 Grad hinter herzulaufen. Und siehe da, tatsächlich gab es mal einen Tennisstar in Marrokoo. Ja klar kenn ich den, loooogisch, ich bin der größte Fan. Ich liebe Marrokoo, ich liebe die Polizei, ich liebe euch alle. Spätestens nach dem dann alle meine Zettel gestempelt waren und ich aus der Zollstation raus war, füllte sich mein Herz tatsächlich mit ein bisschen Liebe zu der Polizei. Einfach nette Menschen die Langeweile haben. Nun gut. Mit 3 Stunden Verspätung machte ich mich auf die 400km zu überwinden. Musik voll aufgedreht damit falls was am Auto kaputt geht ich es garnicht erst höre. Mit Eseln, Menschen, und der Königshaus auf meiner Strecke kam ich endlich beim Einbruch der Dunkelheit in Casablanca an.
Zusammen mit meinem Caravankumpanen versuchten wir uns zum Tennisplatz durchzufragen. Unmöglich. Eine Millionenstadt. Jedem sein Leben scheiß egal, ohne Regeln, und mit Augen zu fährt hier die ganze Welt. So viel Chaos hab ich selten gesehen, nur ein paar mal in meinem Caravan. Eine Stunde war schon rum und wir näherten uns der Straße. Hier müssten wir gerade aus, doch die Straße führte nur wieder zurück auf die Autobahn. Links neben uns Bahnschienen. Vor mir der fliegende Holländer, der andere Tennisspieler. Von der Panik ergriffen wahrscheinlich nie anzukommen fuhr er dann einfach über eine rote Ampel und über die Bahnschienen. Kurz überlegte ich, bin ich dabei? Nein. Der pfeifende Polizist und viele hupende Autos waren mir dann Grund genug doch rechts abzubiegen, wie angegeben. Irgendwann rechts rangefahrend realisierte ich, wir haben uns verloren. Holland flieht vor der Polizei und ich weiss nicht wohin. Also raus auf die Straße und solange nach Tennisplatz gefragt bis ein alter Mann mir auf sehr gutem Englisch erklären konnte wo ich hin muss. 5 Minuten später war ich dann da. Doch zu meinem Pech rief dann mein Freund an, mit den Worten ich muss zu ihm, die Polizei sucht ihn und vielleicht auch mich. Gut, dann versteck mal 2 Wohnwagen in Casablanca. Von einer Katastrophensituation in die nächste. Krisensitzung. In einer dunklen Seitengasse parken, bis sie uns nicht mehr suchen. Was passiert mit dir wenn man in einem fremden Kontinent Fahrerflucht begeht? Auf Tennis hatte ich dann auch keine Lust mehr und bin einfach schlafen gegangen. Am nächsten Morgen konnte ich nur Witze reißen, aber Mr. Holland fand die ganze Situation immer noch nicht so lustig. Durch Hintergassen, Feldwege und im Morgengrauen brachten wir die beiden Campingwagen dann zum Tennis Olympique Casablanca. Von großen Mauern umgeben und hinter einer Tribüne geparkt, verstecken sich nun die meist gesuchten Personen Casablancas. 

Also dann, hoffentlich bis zum nächsten Post.

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