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Mittwoch, 19. November 2014

Luxustourist



Es ist kalt. Zu kalt um morgens aufzustehen. Trotzdem quält man sich aus dem Bett. Der Lärm der Straße hilft schnell wach zu werden. Yoghurt mit Haferflocken ist mittlerweile Pflicht. Never change a winning team. In meiner Wohnung gibt es nämlich ein paar abergläubige. Zwanzig Minuten später steigen wir aus dem Wohnwagen, der seit gut einer Woche an der Straße steht. Woanders kann man nicht parken. Für Strom haben wir das Securityhäuschen angezapft. 30 Meter Kabel quer durch die Straße über den Wohnwagen gespannt. Unrasiert seit einem Monat, mit einem Becher Kaffee und mit knapper Auswahl an frischer Kleidung bin ich und Marcos die ersten am Tennisplatz. Ist auch nicht so schwierig bei 5 Meter Fußweg. Diese 5 m reise ich heute als Tourist an. Luxustourist besser gesagt. In Fachkeisen nennt man es auch Tenniscoach. Zu erst sind es immer 40 Minuten einspielen und aufwärmen. Mit getaptem Handgelenk,  getaptem Knie und Tape an den Fingern schleppe ich mich von einer Ecke in die andere. Spätestens hier merke ich, dass es gut ist, bald nach Hause zu kommen. Gegen 10 Uhr wird dann mit Oakleybrile, einer eiskalten Cola, Muskelshirt und einem Stuhl in die Sonne geknallt. So coache ich meinen Wohnwagenkollegen von Sieg zu Sieg. Ich selbst hab nach 2 taffen 3 Satzpartien meinen Weg als Turnierspieler 2014 schon beendet. Marcos Giraldi eigentlich schon seit dem letzten Turnier, bei dem er in der ersten Runde ausgeschieden war. Er wollte aber nicht nach Hause. Verständlich. Mit diesem Support seiner Eltern wäre ich wahrscheinlich sogar bis hier her ausgewandert. Es war also nicht schwierig ihn zu überreden, dass er noch da bleibt, mit mir Trainiert und Doppel spielt.  Ein paar Stunden täglich sitze ich also in der Sonne und animiere meinen erst kürzlich unter Vertraggenommenen Spieler. Qualifikation haben wir schon überstanden. Was eigentlich logisch ist, aber da er nicht in das Turnier eingeschrieben war, musste er den Umweg über die Quali gehen. Bekannt sind wir schon im ganzen Club. Nadals Brüder, Max und Marcos. Die ganzen kleinen Jungs, alle Ballkinder und die komplette Bar kennt uns. Die Spanier im Wohnmobil.
Die mit dem Fussball. 6 € hat er mich gekostet. Ein knallorangener Fußball aus dem Sportshop. Eigentlich wollten wir nur ein bisschen kicken. Zwei Tennisspieler und wir. Doch nach und nach füllt sich der Platz. Alle wollen spielen. Chaos. Jeder rennt in den Platz rein und schreit herum. Streit schlichten, Wasser verschenken, Schnürsenkel binden, Schitzi spielen und Teams bilden ist dann mehr meine Aufgabe als selber Kicken. Zwei bis drei Talente sind dabei. Einer in der Abwehr, der mit kaputten Schuhen, einer zerlöcherten Hose und einem Schlafanzughemd spielt. Aufhören will keiner. Ich bin immer der erste der das Handtuch wirft. Villeicht liegt es daran, dass wir immer spielen. Sozusagen als Joker. Jeder will uns im Team haben. Die kleinen Kinder umarmen mich, schreien meinen Namen und zupfen mir am Shirt. Wie soll man da 10 kleinen Knopfaugen sagen, dass sie leider erst danach dran sind. Immer wieder fließen Tränen. So wie man es sich am Bolzplatz in Afrika vorstellt. 

Unser täglicher Ausflug zum Supermarkt ist obligatorisch. Den Weg wissen wir besser als die Taxifahrer. Anschnallen gibt es nicht. Die Mofas, Roller und Motorräder haben keine Nummerschilder, was mich zum Gedanken bringt, dass die Fahrer sicherlich auch keinen Führerschein besitzen. Tja, Afrika eben, dort wo man auch mit dem Esel die Autobahn befährt, dort wo uns mittlerweile alle Leute wie Prominente behandeln.

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